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Build vs. Buy: Die wahren Kosten einer KI-Plattform im Mittelstand

67% der Softwareprojekte scheitern an der falschen Build-vs-Buy-Entscheidung. Custom AI kostet $1,3–3,5 Mio. im ersten Jahr, SaaS-Plattformen $330k–2,5 Mio. – aber 65% der Gesamtkosten entstehen nach Deployment. Dieser TCO-Vergleich zeigt versteckte Kosten, ROI-Berechnungen und den hybriden Ansatz für Mittelständler.

Niklas Coors
Niklas Coors
CEO & Co-Founder
17. Januar 2026
14 Min. Lesezeit

67% aller Softwareprojekte scheitern an der falschen Build-vs-Buy-Entscheidung. Das ist keine Statistik aus den 90ern – das sind aktuelle Zahlen aus 2026. Und bei KI-Projekten ist die Quote noch höher.

Der Grund? Unternehmen fokussieren auf Lizenzkosten und übersehen dabei 65% der Gesamtkosten: Wartung, Integration, Support, Upgrades, Schulungen. Ein Projekt, das auf dem Papier 500.000€ kostet, wird schnell zur 2-Millionen-Euro-Investition.

Dieser Artikel zeigt Ihnen die vollständige TCO-Berechnung mit konkreten Zahlen aus 2026. Keine Theorie, keine Schätzungen – sondern Marktdaten, die Sie direkt in Ihre Entscheidung einfließen lassen können.

Auf einen Blick: Build vs. Buy 2026

Custom AI (Build): $1,3–3,5 Mio. im ersten Jahr, $1,5–4 Mio. jährlich danach, 3-Jahres-TCO: $5–12 Mio.+

SaaS/Plattform (Buy): $330k–2,5 Mio. im ersten Jahr, $500k–1,5 Mio. jährlich danach, 3-Jahres-TCO: $1,5–5 Mio.

Hybrider Ansatz: Plattform für 80% der Use Cases + Custom für 20% Differenzierung = optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis

ROI bei erfolgreicher Implementierung: 170–200%+ (durchschnittlich $2,70–$2,90 Return pro investiertem Dollar)

Die wahren Kosten: Custom AI vs. Off-the-Shelf

Bevor Sie eine Entscheidung treffen, müssen Sie verstehen, was die beiden Optionen wirklich kosten – nicht nur die offensichtlichen Lizenzgebühren, sondern die gesamten Kosten über den Lebenszyklus.

Option 1: Custom AI (Build In-House)

Sie bauen eine maßgeschneiderte KI-Lösung von Grund auf. Das klingt attraktiv: Volle Kontrolle, IP-Eigentum, exakt Ihre Anforderungen. Aber die Kosten sind erheblich:

Initiale Investition (Jahr 1):

  • KI-Ingenieure, Data Engineers, MLOps-Spezialisten: $1,2–2,0 Mio.
  • Infrastruktur (GPU-Cluster, Cloud-Compute, Storage): $400k–800k
  • Tooling, Lizenzen, Compliance: $200–400k
  • Gesamt Jahr 1: $1,3–3,5 Mio.

Laufende Kosten (Jahre 2–3):

  • Team-Gehälter und -Bindung: $1,5–2,5 Mio./Jahr
  • Infrastruktur-Skalierung: $500k–1,0 Mio./Jahr
  • Modell-Retraining, Wartung: $300–500k/Jahr
  • Security, Compliance, Audits: $200–400k/Jahr
  • Gesamt pro Jahr: $1,5–4,0 Mio.

3-Jahres-TCO: $5–12 Mio.+

Das sind keine Fantasiezahlen. Das sind Marktdaten aus Enterprise-Implementierungen 2025/2026. Und sie berücksichtigen noch nicht die Opportunitätskosten: 6–18 Monate Entwicklungszeit, bevor Sie überhaupt produktiv sind.

$1,3–3,5M
Jahr 1 Custom
Initial Investment
6–18
Monate
Time-to-Market
$330k–2,5M
Jahr 1 SaaS
Initial Investment
45–90
Tage
Time-to-Market

Option 2: Off-the-Shelf / SaaS-Plattform (Buy)

Sie nutzen eine fertige KI-Plattform und passen sie an Ihre Bedürfnisse an. Die Kostenstruktur ist fundamental anders:

Initiale Investition (Jahr 1):

  • Vendor-Lizenzen, SaaS-Subscriptions: $200k–800k
  • Integration, Datenmigration: $100–300k
  • Internes Oversight, Projektmanagement: $200–400k
  • Gesamt Jahr 1: $330k–2,5 Mio.

Laufende Kosten (Jahre 2–3):

  • Lizenz-Renewals (oft +20–30% p.a.): $250k–1,0 Mio./Jahr
  • Support, Customization: $150–300k/Jahr
  • Nutzungs-Skalierung: $100–200k/Jahr
  • Gesamt pro Jahr: $500k–1,5 Mio.

3-Jahres-TCO: $1,5–5 Mio.

Der Unterschied ist dramatisch: Bei vergleichbarem Funktionsumfang zahlen Sie mit einer Plattform-Lösung 50–70% weniger – und sind 95% schneller produktiv.

Aber Achtung: Die versteckten Kosten können auch hier explodieren.

Versteckte Kosten: Was Ihnen niemand sagt

Sowohl bei Build als auch bei Buy gibt es Kostenfallen, die regelmäßig übersehen werden. 53% der Unternehmen berichten von unerwartet hohen Infrastrukturkosten, 80% haben Probleme mit Vendor Lock-in.

Hier sind die 7 größten versteckten Kostenfallen:

1. Unterschätzte Folgekosten

65% der Gesamtkosten entstehen nach dem initialen Deployment. Wartung, Updates, Modell-Drift, Security-Patches – das läuft ewig weiter. Planen Sie 15–25% der Initialkosten als jährliche Wartung ein.

2. Vendor Lock-in

80% der Unternehmen mit SaaS-Lösungen haben Schwierigkeiten, den Anbieter zu wechseln. Migration kostet oft das Doppelte der ursprünglichen Implementierung ($500k–$2 Mio.). Achten Sie auf Datenportabilität und Standard-APIs.

3. Security Breach Costs

Ein Sicherheitsvorfall kostet durchschnittlich $4,88 Mio. Mit Security-AI können Sie $1,8 Mio. davon vermeiden – aber nur, wenn Sie von Anfang an investieren. Sparen Sie nicht an Security.

4. Fachkräftemangel

80% der Tech-Leader sehen fehlende KI-Skills als Hauptbremse. Ein Senior ML Engineer kostet $150–250k/Jahr – wenn Sie überhaupt einen finden. Fluktuation erhöht die Kosten um weitere 50–100%.

5. Datenqualität

Data Preparation frisst 15–30% des Projektbudgets. Schlechte Datenqualität führt zu schlechten Ergebnissen – "Garbage In, Garbage Out" gilt bei KI mehr denn je. Planen Sie $100–500k für Datenmanagement ein.

6. Change Management

Training kostet $2.000–5.000 pro User. Fehlende Schulungen führen zu Akzeptanzproblemen – und 70% der KI-Projekte scheitern nicht an der Technologie, sondern an den Menschen. Rechnen Sie mit 10–20% der Tech-Investition für Change Management.

7. Skalierungskosten

Der Prototyp funktioniert – aber bei 1.000 Usern bricht alles zusammen. Compute-Kosten steigen exponentiell: Planen Sie 20–50% Inflation bei GPU-/Token-Kosten pro Jahr ein. Was heute $10k/Monat kostet, sind 2028 möglicherweise $20k.

ROI-Berechnung: Wann lohnt sich was?

Die gute Nachricht: KI-Projekte haben im Vergleich zu klassischer Software deutlich höhere ROI-Potenziale. Durchschnittlicher ROI bei erfolgreicher Implementierung: 170–200% – das bedeutet $2,70–$2,90 Return pro investiertem Dollar.

Aber "erfolgreich" ist das Schlüsselwort. 95% der generativen KI-Piloten haben laut einer MIT-Studie keinen messbaren P&L-Impact. Der Unterschied liegt in der Implementierung, nicht in der Technologie.

ROI-Benchmarks nach Branche (2026):

  • Technologie/SaaS: 190–200%+ ROI, Time-to-Value: 3–6 Monate
  • Fertigung/Industrie: 100–120% ROI, Time-to-Value: 9–12 Monate
  • Handel/E-Commerce: 130–135% ROI, Time-to-Value: 3–6 Monate
  • Healthcare: 80–90% ROI, Time-to-Value: 12–18 Monate (Compliance-bedingt)

Wann lohnt sich Build (Custom)?

Custom Development macht Sinn, wenn:

  • KI Ihr Kernprodukt ist (nicht nur ein Enabler)
  • Sie einzigartige Daten haben, die einen echten Wettbewerbsvorteil darstellen
  • Sie langfristig (5+ Jahre) planen und skalieren wollen
  • Ihr Volumen so hoch ist, dass sich die Fixkosten amortisieren

Beispielrechnung Custom: Bei 10 Mio. Inferences/Monat und 5-Jahres-Horizon kann Build 30–40% günstiger sein als SaaS – aber nur, wenn die Implementierung erfolgreich ist.

Wann lohnt sich Buy (SaaS/Plattform)?

Eine Plattform-Lösung ist besser, wenn:

  • Time-to-Market entscheidend ist (45 Tage vs. 6–18 Monate)
  • KI ein Enabler ist, nicht Ihr Kernprodukt
  • Sie begrenzte interne Ressourcen haben
  • Sie Flexibilität brauchen (Use Cases ändern sich)

Beispielrechnung SaaS: $200k Jahresinvestition generiert bei 170% ROI einen Nettovorteil von $340k – in 2–3 Jahren sind das $400–700k Return.

TCO-Vergleich: 3-Jahres-Perspektive

Kostenfaktor Build (Custom) Buy (SaaS) Hybrid
Jahr 1 (Setup & Launch) $2,5–3,5 Mio. $500k–1,5 Mio. $800k–2,0 Mio.
Jahr 2 (Betrieb & Skalierung) $2,5–3,5 Mio. $600k–1,2 Mio. $1,0–1,8 Mio.
Jahr 3 (Optimierung) $2,5–4,0 Mio. $700k–1,4 Mio. $1,2–2,0 Mio.
3-Jahres-TCO $7,5–11 Mio. $1,8–4,1 Mio. $3,0–5,8 Mio.
Time-to-Market 6–18 Monate 45–90 Tage 2–4 Monate
Flexibilität Maximal Eingeschränkt Hoch
Risiko Hoch Niedrig Mittel

Der hybride Ansatz: Das Beste aus beiden Welten

Die Wahrheit ist: Die Build-vs-Buy-Entscheidung ist keine Entweder-Oder-Frage mehr. Erfolgreiche Unternehmen kombinieren beide Ansätze strategisch.

Der hybride Ansatz funktioniert so:

80% Plattform, 20% Custom

Sie nutzen eine Enterprise-KI-Plattform für alle Standard-Use-Cases:

  • Chat & Assistenz
  • Dokumentenanalyse
  • Meeting-Transkription
  • E-Mail-Automatisierung
  • Wissensmanagement

Diese Use Cases sind bei 80% der Unternehmen identisch. Warum das Rad neu erfinden?

Für die 20%, die Sie wirklich differenzieren, entwickeln Sie Custom-Lösungen:

  • Proprietary Algorithmen auf Ihren einzigartigen Daten
  • Branchenspezifische Modelle
  • Integration in Ihre Kernprozesse

Praxisbeispiel: Industrieunternehmen (500 MA, Maschinenbau)

Ein mittelständisches Unternehmen aus dem Maschinenbau stand vor der gleichen Entscheidung. Die Analyse:

Ausgangslage:

  • 500 Mitarbeiter, davon 200 Wissensarbeiter
  • Bedarf: Dokumentation, Wissensmanagement, technischer Support
  • Budget: begrenzt, schnelle Ergebnisse gefordert

Entscheidung:

  • Plattform-Lösung für Chat, Dokumentensuche, Meeting-Protokolle
  • Custom-Entwicklung nur für die Integration mit dem ERP-System und die automatisierte Erstellung von Wartungsanleitungen

Ergebnis nach 12 Monaten:

  • Time-to-Market: 3 Monate (statt 18 Monate bei Full Custom)
  • Kosten Jahr 1: €420.000 (statt €2,5 Mio. geschätzt für Custom)
  • ROI: 185% durch Zeitersparnis bei Dokumentation
  • Custom-Anteil: 15% des Budgets, 100% Differenzierung
Die Unternehmen, die am schnellsten Ergebnisse erzielen, machen nicht alles selbst. Sie nutzen eine Plattform für 80% der Anforderungen und fokussieren ihre Entwicklungsressourcen auf das, was sie wirklich einzigartig macht.
Niklas Coors
CEO Plotdesk

Warum der hybride Ansatz funktioniert:

  1. Schnelle Time-to-Value: Sie sind in 45–90 Tagen produktiv, nicht in 6–18 Monaten
  2. Reduziertes Risiko: Die Plattform ist erprobt, Sie experimentieren nur bei Custom
  3. Fokussierte Ressourcen: Ihre Entwickler arbeiten an echtem IP, nicht an Commodity-Features
  4. Skalierbarkeit: Die Plattform skaliert automatisch, Custom-Components nach Bedarf
  5. Governance: Ein zentrales System statt fragmentierter Tools

Kritische Erfolgsfaktoren:

  • Orchestrierung: Alle Komponenten müssen nahtlos zusammenarbeiten
  • Governance: Einheitliche Richtlinien für Plattform und Custom
  • Datenarchitektur: Saubere Schnittstellen zwischen den Systemen

Checkliste: 10 Fragen zur Build-vs-Buy-Entscheidung

Bevor Sie Ihre Entscheidung treffen, beantworten Sie diese 10 Fragen ehrlich:

Build vs. Buy Entscheidungs-Checkliste

1

Ist KI Ihr Kernprodukt oder ein Enabler?

Kernprodukt → Build tendieren | Enabler → Buy tendieren

2

Haben Sie einzigartige Daten, die einen Wettbewerbsvorteil darstellen?

Ja → Hybrid/Build | Nein → Buy

3

Wie kritisch ist Time-to-Market?

Sehr kritisch → Buy | Weniger kritisch → Build möglich

4

Haben Sie interne KI-Expertise?

Ja, Team vorhanden → Build möglich | Nein → Buy

5

Wie hoch ist Ihr Nutzungsvolumen langfristig?

>10 Mio. Inferences/Monat → Build lohnt sich eher | Niedriger → Buy

6

Welche Compliance-Anforderungen haben Sie?

Sehr streng (On-Premise Pflicht) → Build/Hybrid | Standard → Buy

7

Wie flexibel müssen Sie sein?

Use Cases ändern sich häufig → Buy | Stabil → Build möglich

8

Welches Budget steht zur Verfügung?

<$1 Mio./Jahr → Buy | >$3 Mio./Jahr → Build/Hybrid

9

Wie ist Ihre Risikobereitschaft?

Niedrig → Buy | Hoch → Build möglich

10

Planen Sie langfristig (5+ Jahre) oder iterativ?

Langfristig mit klarer Vision → Build | Iterativ → Buy/Hybrid

Auswertung: Bei 6+ "Buy"-Antworten → Starten Sie mit einer Plattform. Bei 6+ "Build"-Antworten → Custom Development ist sinnvoll. Gemischt → Hybrider Ansatz empfohlen.

Fazit & Handlungsempfehlung

Die Build-vs-Buy-Entscheidung ist keine binäre Wahl mehr. Die erfolgreichsten Unternehmen in 2026 kombinieren beide Ansätze strategisch:

Unsere Empfehlung für den deutschen Mittelstand:

  1. Starten Sie mit einer Plattform für Quick Wins. In 45–90 Tagen sind Sie produktiv und können ROI nachweisen. Das überzeugt Skeptiker und schafft Budget für Phase 2.

  2. Identifizieren Sie Ihre echten Differenziatoren. Nicht alles, was intern als "unique" gilt, ist es auch. Fragen Sie: Würde ein Wettbewerber mit derselben Plattform dasselbe erreichen können?

  3. Custom Development nur für echte Differenzierung. Investieren Sie Entwicklungsressourcen dort, wo Sie wirklich IP aufbauen – nicht bei Commodity-Features.

  4. Planen Sie versteckte Kosten ein. Multiplizieren Sie Ihre Erstschätzung mit 1,5–2x. Lieber konservativ kalkulieren als böse überrascht werden.

  5. Governance von Anfang an. Egal ob Build, Buy oder Hybrid: Definieren Sie Richtlinien für Datensicherheit, Compliance und Nutzung vor dem Start.

Die Kosten der Untätigkeit:

Wer 2026 noch keine KI-Strategie hat, verliert nicht nur potenzielle Effizienzgewinne. Er verliert Marktanteile an Wettbewerber, die schneller sind.

Die Frage ist nicht mehr "Build or Buy?" – sondern "Wie schnell können wir starten?"

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